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Kommunikation ist alles

Der Begriff eHealth steht für die Anwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in der medizinischen Versorgung. Diese Anwendungen auch in Lüneburg zu etablieren und damit die aktuelle Situation der pflegerischen und ärztlichen Versorgung zu ergänzen, war das Ziel des Projektes eHealth.Lüneburg. Das Kooperationsprojekt von Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Stadt und Landkreis Lüneburg (WLG), Psychiatrischer Klinik Lüneburg (PKL), Gesundheitsholding Lüneburg und Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum (BITZ) wurde im September 2013 von der WLG initiiert. Am 03. Juni2015 diskutierten Experten aus Psychiatrie und Medizininformatik die Ergebnisse des nun abgeschlossenen Lüneburger Projekts und spiegelten diese mit Erfahrungen aus anderen Regionen.

Rolf Sauer, Geschäftsführer der Gesundheitsholding Lüneburg, beschrieb in seiner Einleitung die Chancen und Herausforderungen, der sich die Projektpartner gestellt haben.

Professor Hans-Jörgen Grabe, leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Greifswald, zeigte auf wie man zusammen mit dem Institut für Community Medicine ein niedrigschwelliges telemedizinisches Betreuungskonzept für Patienten entwickelt und erprobt hat. Hier werden die einfachen Telekommunikationsmittel Telefon und SMS für regelmäßige Kontakte nach tagesklinischer Behandlung eingesetzt. Im Ergebnis konnten signifikant positive Effekte hinsichtlich der Verminderung von Angst und Depressivität nachgewiesen werden. Eine Folgestudie zur poststationären telemedizinischen Betreuung von Patienten mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen greift die Ergebnisse auf und zielt auf die Implementierung des Behandlungskonzeptes in die Prozesse der Psychiatrischen Institutsambulanzen .

Corinna Mielke, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover, gab Einblicke in die Möglichkeiten des Einsatzes von sensorbasierten Aktivitätsmessungen und –analysen in der psychiatrischen Betreuung. Studien zum Thema Schlüsselreize für Alkoholrückfälligkeit sowie multi-parametrische Langzeitüberwachung von bipolaren Störungen geben Anknüpfungspunkte für die Lüneburger Akteure. Im Sinne der ganzheitlichen Betrachtung des Lebensumfeldes „vor und hinter der Haustür“ ergeben sich weitere Einsatzmöglichkeiten für Sensorik zum Zwecke der optimalen und individuellen Versorgung der Patienten.

Nancy Kecke, Diplompsychologin in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) berichtete in ihrem Vortrag vom eHealth.Lüneburg-Teilprojekt „Assistierende Gesundheitstechnologien in der psychiatrischen Versorgung“. Eine Projektgruppe aus PKL und BITZ erarbeitete während der Projektlaufzeit ein Behandlungskonzept, das die eHealth-gestützte Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen zum Ziel hat. Erreicht werden sollen eine Stabilisierung des in der stationären Krankenhausbehandlung erreichten Therapieerfolgs und damit eine Erleichterung der Überleitung in anschließende Versorgungsformen und den häuslichen Alltag. Zunächst wurde der Unterstützungsbedarf verschiedener Patientengruppen in der Psychiatrie erfasst. Nach systematischer Auswertung der Ergebnisse wurde die Gruppe der Borderline-Patienten (Emotional-Instabile-Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typus) ausgewählt, da die lebensbeeinflussenden Auswirkungen der Erkrankung, auch aufgrund des relativ jungen Alters der Patienten, immens sind. Auch zeigten die Analysen, dass die Versorgung dieser Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung nicht in jedem Fall lückenlos weitergehen kann. Entsprechend soll mit der Unterstützung von eHealth-Anwendungen die Zeit bis zur Anschlussbehandlung konsolidierend überbrückt werden. Die vorangegangene spezielle Verhaltenstherapie bietet den eHealth-Anwendungen diverse Anknüpfungspunkte, darüber hinaus zeigte sich die Borderline-Gruppe in der Patientenbefragung als relativ aufgeschlossen gegenüber neuen Informationstechnologien. Das nun vorliegende spezielle Behandlungskonzept bietet Einbindungsmöglichkeiten für z. B. telemedizinische Video-Konferenzsysteme und begleitende Smartphone-Apps. Auf diesen Erkenntnissen kann in folgenden Innovationsvorhaben beispielsweise in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgebaut werden.

Durch die im Rahmen des Projektes durchgeführten Vernetzungs- und Informationsveranstaltungen zum Thema eHealth wurden Akteure und Unternehmen aus den verschiedenen betroffenen Branchen in der Region Lüneburg vernetzt und informiert. Hierzu zählen Akteure aus Gesundheits- und Pflegewirtschaft, Informations- und Kommunikationswirtschaft, Immobilien- und Wohnungswirtschaft sowie Handwerk. Das Projekt wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) unterstützt und ist Bestandteil der Landesinitiative eHealth.Niedersachsen des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums.

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