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Wirtschaft Regional - Oktober 2016

Als Existenzgründer einen Business Angel zu finden ist nicht ganz einfach. Immerhin handelt es sich um private Investoren, die in keinem zentralen Register erfasst sind.  Dennoch stehen Existenzgründern verschiedene Wege offen, um mit einem Business Angel in Kontakt zu treten. Es gibt in Deutschland etwa 3.000 aktive Business Angels, die oft einem regionalen Business Angels Netzwerk angehören. Sie sind häufig auch Mitglied beim BAND, dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. In sogenannten Matching-Veranstaltungen haben Existenzgründer die Möglichkeit Ihr Vorhaben  privaten Investoren zu präsentieren. So veranstaltet z.B. das Business Angels Netzwerk BANSON im Raum Braunschweig, Wolfsburg, Lüneburg regelmäßig solche Matching Events. BANSON entstand im Jahr 2003 auf Initiative von erfahrenen Unternehmern, die ihr Know-how gerne mit wachstumsorientierten Start-ups teilen wollten, berichtet Uwe Köhler, Vorstandsvorsitzender des BANSON e.V. Seit 2008 ist die Wirtschaftsfördergesellschaft Lüneburg (WLG) als Sponsor dieses Netzwerkes aktiv dabei und  ermöglichte so eine Ausdehnung der Aktivitäten auch auf den Raum Lüneburg. Seitdem fanden in Lüneburg allein 12 Matching-Veranstaltungen statt, auf denen 55 Start-ups ihre Geschäftsmodelle präsentieren konnten.  Dabei wurde 12 Beteiligungen von Business Angels an Start-ups angebahnt.  Diese bestehen zum Teil bis heute. Sie waren häufig der entscheidende Impuls, um die Wachstumsfinanzierung innovativer Start-ups zu sichern. Eine positive Bilanz, freut sich Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der WLG und gleichzeitig Vorstandsmitglied im BANSON e.V. Bekanntestes Beispiel aus Lüneburg ist das Unternehmen Securepoint. Die beiden Gründer Claudia und Lutz Hausmann berichteten eindrucksvoll von der positiven Zusammenarbeit mit Ihrem Business Angel. Das Unternehmen ist mit einem breiten Portfolio an IT-Zugangs- und Netzwerksicherheits-Lösungen auf Wachstumskurs und beschäftigt heute über 100 Mitarbeiter.

In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für private Investitionen in Unternehmensbeteiligungen grundsätzlich positiv entwickelt. Mit dem Programm „INVEST - Zuschuss für Wagniskapital“ stellt die Bundesregierung bis Ende 2016 insgesamt 150 Mio. € Investitionszuschuss bereit.  Er beträgt im Einzelfall 20 % der Beteiligungssumme und wird von Steuern freigestellt. Damit sollen mehr Investoren für junge innovative Unternehmen gewonnen und die Investitionskraft von Business Angels zugunsten der Start-ups erhöht werden. Daneben haben das Niedersächsische Wirtschaftsministerium und NiedersachsenMetall  erstmals einen gemeinsamen Beteiligungsfonds aufgelegt, um sowohl Start-ups als auch kleinen und mittleren Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen zusätzliches Eigenkapital in Form von Beteiligungen zur Verfügung zu stellen. Der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Dr. Volker Schmidt, erklärte anlässlich der Diskussion, dass damit von Niedersachsen aus eine Debatte über neue Finanzierungswege im Unternehmensbereich angestoßen wurde.

Das hier noch viel zu tun bleibt, wurde anlässlich des BANSON-Netzwerktreffens deutlich. Nicht immer greifen die verschiedenen Finanzierungselemente, wie öffentlich geförderte Beteiligungsfonds oder Fremdfinanzierungsprodukte, für Existenzgründer ineinander. Venture Capital Fonds engagieren sich in der Regel erst dann, wenn das Unternehmen etabliert ist und ein mehrjähriges Umsatzwachstum nachweisen kann.

Das erschwert den Ausstieg von Business Angels über die Veräußerung ihrer Beteiligung und mindert den Anteil des frei verfügbaren Investitionskapitals. Im Durchschnitt investierte jeder Business Angel im II. Quartal 2016 mehr als 60.000 € indirekte Unternehmensbeteiligungen. Das liegt zwar über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, ist aber doch deutlich weniger als im Vorquartal (knapp 84. 000 €). Das belegen die Zahlen des aktuellen Business Angels Panel, einem etablierten Marktbarometer der Szene.

Dem reduzierten Angebot an smartem Kapital steht aktuell eine besonders hohe Nachfrage gegenüber. Möglicherweise haben hieran TV-Formate wie „Höhle der Löwen“ ihren Anteil. Allerdings geht es auch außerhalb des Scheinwerferlichtes um die Qualität von Geschäftsmodellen.  Investoren empfinden die von den Gründern genannten Einstiegspreise häufig als hoch und die notwendigen Aufwendungen für die Markterschließung als zu gering kalkuliert. Insofern ist die direkte Kommunikation zwischen Gründern und Business Angels bereits ein Gewinn.  Die Arbeit des BANSON e.V. als Plattform für diese Kommunikation ist damit eine Bereicherung für das Gründungsnetzwerk  in der Region Lüneburg. Hierauf ging Steffen Wilke, Leiter Mittelstand bei der Sparkasse Lüneburg, in seinem Grußwort an die Teilnehmer ein.  Die Sparkasse Lüneburg ist Hauptsponsor des seit 1999 bestehenden Gründungsnetzwerkes in der Region, an dem neben IHK, HWK und Leuphana Universität auch regionale Unternehmen und Gründungsberater mitwirken. Mit der Arbeit des BANSON e.V. ist es gelungen, die überregionale Wahrnehmung von Lüneburg als Standort für innovative Gründer zu erhöhen.  Das machten nicht zuletzt die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung deutlich. Sie kamen nicht nur aus Lüneburg, sondern auch aus Hamburg, Wolfsburg, Hannover und Braunschweig.  Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die regionale Gründerszene lebt.

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