Mythos Bernsteinzimmer-Über das rätselhafte Schicksal des so genannten "Achten Weltwunders"
am 16.03.2010
von
14:30 Uhr
bis 16:30 Uhr
Veranstaltungsort: Ostpreußisches Landesmuseum
Ritterstraße 10
21335 Lüneburg
04131 75995-20
04131 75995-11
Im Rahmen der Reihe "Museum erleben" berichtet Silke Straatman M.A. über das rätselhafte Schicksal des sogenannten Achten Weltwunders.
Mit einer Bilddokumentation des wieder aufgebauten Bernsteinzimmers im Katharinen-Palast in Zarskoje Selo, Str. Petersburg.
14:30 bis 16:30 Uhr
Eintritt: 5 € (inklusive Kaffee, Tee und Gebäck)
Sechs Tonnen Bernstein wurden für die Kopie des legendären Bernsteinzimmers in Zarskoje
Selo, dem ehemaligen Sommersitz des Zaren, 25 Kilometer südlich von St. Petersburg,
benötigt. Die Rekonstruktion wurde am 31. Mai 2003, rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum
300-jährigen Bestehen von St. Petersburg, nach 20 Jahren kunstvoller Puzzle-Arbeit, unter
den Augen der Öffentlichkeit vom damaligen Präsidenten Russlands, Vladimir Putin,
eingeweiht. Quadratmeter für Quadratmeter wurden die Holzpaneele mit dem „Gold der
Ostsee“ belegt. Eine Meisterleistung: Denn es existiert lediglich eine einzige Farbfotografie
aus den 1930er Jahren als Vorlage. Pläne des historischen Bernsteinzimmers dienten zudem
als Vorlage zur Rekonstruktion.
Damals wie heute erfordert die Bearbeitung des fossilen Baumharzes ganz besonderes
Geschick. Es ist weich und spröde, daher musste alles in Handarbeit gefertigt werden. Dafür
mussten erst wieder alte Bearbeitungs-Traditionen mühsam ausprobiert und erlernt werden.
Die Entstehungsgeschichte der kostbaren Wandtäfelung aus baltischem Bernstein geht in
das Jahr 1701 zurück. König Friedrich I. hatte es für Schloss Charlottenburg in Berlin in
Auftrag gegeben. 1716 machte Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., Sohn von Friedrich I., das
Bernsteinzimmer dem damaligen Zaren, Peter dem Großen, zum Geschenk. Im Gegenzug
erhielt der König 55 stattliche „russische Riesen“ für seine Leibgarde der „Langen Kerls“. Erst
1741 mit der Thronbesteigung der Zarentochter Elisabeth I. wurde es im Winterpalais als
Empfangssaal aufgebaut. Als sich herausstellte, dass die Luft im Winterpalais dem
Bernsteinmaterial schadete, entschloss sich die Zarin 1755, das Bernsteinkabinett in den neu
erbauten Sommerpalast von Zarskoje Selo südlich von St. Petersburg zu verlegen.
Sein endgültiges Aussehen erhielt das Bernsteinzimmer schließlich unter der
deutschstämmigen Zarin Katharina II., auch Katharina die Große genannt:
Ab 1763 ließ sie die bernsteinfarbenen Deckengemälde durch echte Bernsteinschnitzereien
ersetzen.
Wo ist das Original?
Die Wissenschaft stützt sich heute auf drei gesicherte Tatsachen:
Das Bernsteinzimmer wurde im Herbst 1941 in der von der Wehrmacht umkämpften Stadt
Puschkin demontiert und ins Deutsche Reich nach Königsberg in Ostpreußen
gebracht. Dort wurde es kurzzeitig im Königsberger Schloss wieder für die Öffentlichkeit
aufgebaut. 1944 wurde es wegen drohender Kämpfe erneut in Kisten verpackt und in den
unteren Kellergewölben des Schlosses gelagert.
Das Königsberger Schloss wurde im Lauf der britischen Luftangriffe und der Eroberung durch
die Rote Armee zerstört. Aus diesen Details lassen sich vier Thesen ableiten, auf denen jede
weitere Bernsteinzimmer-Theorie fußt:
1) Das Bernsteinzimmer hat Königsberg nie verlassen und ist während der Luftangriffe
verbrannt.
2) Das Bernsteinzimmer blieb in Königsberg und wurde in unterirdischen Gemäuern
versteckt.
3) Das Bernsteinzimmer wurde aus Königsberg heraus gebracht und auf seiner Odyssee auf
dem Land- oder Wasserweg zerstört.
4) Das Bernsteinzimmer wurde aus Königsberg verlagert und außerhalb der Stadt versteckt.
Wie auch immer: Der Mythos lebt bis heute weiter und bewegt die Gemüter und
Phantasien der Menschen.
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